Sturisoma festivum (Myers, 1942)

  • Sturisoma festivum - Der Langflossen Harnischwels

    Sturisoma festivum (Myers, 1942)


    Systematik:
    Familie:Loricarridae
    Unterfamilie: Loricarrinae
    Gattung: Sturisoma

    Die Gattung Sturisoma:
    Die Gattung Sturisoma (zu Deutsch Störwelse) zählt rund 15 Arten. Die im Handel am häufigsten vertretenen sind S. aureum (Steindachner, 1900), S. festivum (Myers 1942) und S. panamense (Eigenmann & Eigenmann, 1889). Sie alle teilen einen schlanken, länglichen Körper mit braun-beiger Grundfärbung und imitieren damit Totholz. Die meisten Arten besitzen lange Filamente an den Flossenenden, welche oftmals bei der Unterscheidung der Arten hervorgezogen werden. Die Gattung Sturisoma besteht aus mittelgroßen Welsen, mit Arten zwischen 12 – 30 cm Körperlänge.

    Arttypische Merkmale:
    Der Sturisoma festivum, zu Deutsch: Langflossen Harnischwels, zeichnet sich durch einen langen, schmalen Körper aus. Die Schwanzflosse sitzt auf einem langen Schwanzstiel, der ca. 2/3 der Gesamtkörperlänge einnimmt (ohne Filamente). Mit einer Größe von 30 cm (ebenfalls ohne Filamente) stellt der Langflossen Harnischwels einen der größeren Arten der Gattung dar. Das wichtigste Erkennungs- und Unterscheidungsmerkmal zu anderen Sturisoma-arten stellt die sichelförmige Rückenflosse dar. Diese ist, wie alle anderen Flossen mit Filamenten bestückt, welche vor allem auf der Schwanzflosse eine beträchtliche Länge erreichen können. Die normale Grundfarbe reicht von einem hellen Beige bis hin zu Dunkelbraun. Oftmals findet man auch Tiere mit einer leicht orangefarbenen Grundfarbe. Die dunklere Grundfärbung wird von einem hellbeigen Streifen entlang des Rückens unterbrochen und verläuft sich zur Schwanzflosse hin. Die Unterseite dieses Welses ist weiß bis hellgrau und zeigt dunkelgraue bis braune Flecken und Tupfen. Die Flossen sind leicht bräunlich gemustert. Je nach Lichtverhältnis passt sich der Kontrast der Musterung an. Bei hellem Licht und hellem Bodengrund zeigen die Tiere eine einheitliche hellbraune Färbung, bei düsterer Beleuchtung und dunklem Bodengrund zeigen sie ein kontrastreiches dunkelbraun-beiges Muster. Die Augen zeigen die welstypische Iris in Omega-Form. In der Paarungszeit zeigen Männchen intensivere Farben. Oftmals wird Sturisoma festivum mit Sturisoma aureum (zu Deutsch Goldbartwels) verwechselt, jedoch zeigt S. aureum keine Sichelförmige Rückenflosse und besitzt Filamente lediglich an den Enden der Schwanzflosse. Auch überwiegt eher der Beige Teil der Musterung des, im Vergleich zum S. festivum, eher flacheren Körper.

    Geschlechtsunterschiede:

    Männliche Langflossen Harnischwelse werden größer als Weibchen und besitzen Odontoden, die vor allem bei der Paarungszeit stark ausgebildet sind und an einen Backenbart erinnern. Dieser „Bart“ zeigt sich zur Paarungszeit in einem gelblichen Grundton. Das Geschlecht lässt sich oftmals schon bei 6 Monate alten Tieren unterscheiden.


    Links: Weibchen, Recht: Männchen

    Vorkommen:


    Sturisoma festivum ist nur in Venezuela im Maracaibo Becken zu finden.

    Habitat:
    Dieser Wels bevorzugt mäßig bis schnell fließende Gewässer mit Totholz. Bei Temperaturen zwischen 25 -28°C und einem pH-Wert von 6,5 – 7,5 fühlt sich der Wels wohl.

    Nahrung:
    In der freien Natur ernährt sich der Langflossen Harnischwels hauptsächlich vegetarisch. Vor allem Algen, Laub und Wasserpflanzen werden mit seinem Raspelmaul aufgenommen. Ein wichtiger Bestandteil seiner Diät besteht aus Holz. Ohne die Zellulose arbeitet der Verdauungstrakt dieses Welses nicht. In der Aquarienhaltung nimmt er Gemüse, in Form von Zucchini, Gurke und Paprika aber auch künstliche Futtermittel wie Spirulina-Tabs gerne an. Ebenfalls bedient er sich des Algenwuchses im Aquarium. Ohne Probleme gehen diese Welse auch an tierisches Frostfutter, wie Artemia, weiße und schwarze Mückenlarven sowie Miesmuscheln. Eine Besonderheit der Nahrungsaufnahme findet im Larvenstadium der Fische statt. Diese müssen den Kot der Eltern fressen, um zusätzliche Nahrung verdauen zu können.

    Verhalten:
    Diese Welse verbringen ihre Zeit gerne in kleinen Gruppen. Männchen rangeln dabei meist um ein Weibchen, verletzen sich dabei aber nicht. Die sowohl tag- als auch nachtaktiven Welse verbringen die meiste Zeit mit der Nahrungsaufnahme. So findet man sie meist raspelnd auf einem Stück Totholz. Sie zeigen keinerlei Scheu anderen Fischen gegenüber und können sehr gut mit bodenbewohnenden Welsen sowie Buntbarschen und Salmlern vergesellschaftet werden. Trotz der vegetarischen Ernährung lassen sie die Wasserpflanzen im Aquarium in Ruhe und fressen höchstens abgestorbene weiche Teile davon. Werden die Fische gestört, flüchten diese blitzartig meistens Richtung Wasseroberfläche. Dies kann man sich zu Nutzen machen, wenn man die Tiere aus einem Aquarium fangen will.

    Fortpflanzung:


    Sturisoma festivum wird mit etwa 2-3 Jahren sowie etwa 12 cm Körpergröße geschlechtsreif. Meistens rangeln 2-3 Männchen um ein Weibchen. Der stärkste positioniert sich auf den Brutplatz, woraufhin meist schon das Weibchen auftaucht. Um Paarungsbereitschaft zu symbolisieren folgt er dem Weibchen für einige Zeit. Abends, wenn es beginnt zu dämmern, beginnt das Paar eine Oberfläche mit Rutschbewegungen zu reinigen. Es wird ausschließlich auf vertikale Substrate gelaicht und stellt in der Natur womöglich einen flachen Stein oder eine Wurzel dar. Im Aquarium laicht diese Art am liebsten in eine strömungsreiche Region auf der Aquarienscheibe. Der Reinigungsakt dauert meist um die 3 Stunden. Wenn es komplett finster ist, beginnen die Welse mit dem Laichen. Dabei positioniert sich das Männchen vorerst oberhalb des Weibchens. Diese Position verlässt er nach einer gewissen Zeit und begibt sich daraufhin unterhalb des Weibchens. Nun schiebt das Männchen seinen Kopf unter das Weibchen und drückt mit der Maulspitze in die Genitalregion des Weibchens. Dieses beginnt daraufhin heftig zu zappeln und presst zugleich ca. 5-10 Eier auf das Substrat. Dieser Vorgang wiederholt sich solange bis ca. 80-100 Eier auf dem Laichsubstrat kleben. Die Eier sind 2,5-3 mm groß und haben eine transparente bis leicht weißliche Farbe. Das Weibchen verlässt nun die Brutstätte um dem Männchen die Pflege des Geleges zu überlassen. Dieser verscheucht potenzielle Feinde durch Flossenschlagen und Anschwimmen und reinigt das Gelege in dem er immer wieder mal mit dem Maul den Laich ablutscht. Mit dem Bauch über dem Gelege fächelt er mit den Bauchflossen ständig Frischwasser zu. Innerhalb der ersten 24h kann man bereits eine Entwicklung in den Eiern bemerken. Im oberen Bereich erkennt man einen weißen Pol aus dem sich in den nächsten Tagen die Larven entwickeln.


    Entwicklung: Tag 1-4


    Entwicklung: Tag 5-8

    Bei einer Temperatur von 27,5°C und einem Leitwert von 180-270 mS schlüpfen die Sturisoma-Larven innerhalb von 7-8 Tagen. In dieser Zeit hilft das Männchen dem Nachwuchs beim Schlupf und raspelt die Eihülle auf. Die etwa 5-6 mm großen und dunkelbraun gefärbten Larven verlassen das Nest und schwimmen zügig in einen strömungsreichen Bereich knapp unter der Wasseroberfläche. Der Dottersack reicht für maximal 2 Tage, daraufhin benötigen die Larven den Kot der Eltern als Erstnahrung. Zusätzlich nehmen sie vorbeischwebende Futterpartikel auf. Bei der Zucht im Aquarium empfiehlt sich, die Tiere in einem Aufzuchtring/-kasten im Elternbecken zu separieren und mit einem Ausströmerstein gut zu durchlüften. Die besten Erfahrungen habe ich mit einer Futtermischung aus zerbröselten Spirulina-Tabs, Mulm und getrockneten Walnussblättern gemacht. Auf dem Laub bildet sich ein Bakterienrasen der von den Larven, anders als oft in der Literatur erwähnt, aktiv aufgesucht wird. Auf den Mulm im Aufzuchtbecken darf man nicht vergessen. Auf einen guten Wasseraustausch sollte man achten und zusätzlich jeden Tag den Dreck absaugen und neues Futter und Mulm hinzugeben.


    Larven/Jungfische im umfunktionierten Aufzuchtkasten für Lebendgebärende

    In den ersten 4-5 Wochen wachsen die Jungfische auf eine Größe von 1,5-2 cm heran und können in ein größeres Aufzuchtbecken (100 l) umgesetzt werden. Auf komplett gleiche Wasserwerte sollte dringendst geachtet werden, da die jungen Welse äußerst empfindlich gegenüber der Änderung der Wasserwerte sind. Nun kann von Spirulina-Tabs, Vipa-Chips, Gemüse, Lutschkieseln (Algen überwucherte Steine), getrockneten Walnussblättern und Forstfutter eine große Bandbreite an Futtersorten gereicht werden. Im Aufzuchtbecken sollte man unbedingt eine kleine Wurzel, für den Zellulosebedarf platzieren. In dieser Phase wachsen die Sturisoma verhältnismäßig langsam und es kann zu unerwarteten Ausfällen kommen, nach meinen Erfahrungen in der 4. Und 8 Woche. Mit regelmäßigen Wasserwechseln, guter Fütterung und einer Temperatur von 27°C erreichen die Langflossen Harnischwelse die 8 cm Abgabegröße. Nun sind sie robust genug in anderes Wasser gesetzt zu werden.



    Jungfische in Verkaufsgröße


    Persönliche Erfahrungen in der Aquarienhaltung:
    Meine Ausgangsgruppe von Sturisoma festivum betrug 5 Stück. Mit ca. 10 cm Körpergröße war das Geschlecht bei den meisten noch nicht eindeutig zu erkennen. Ein Vierteljahr später erkannte man 3 Männchen und 2 Weibchen. Im Gesellschaftsaquarium (550 l) begannen sie mit ca. 12 cm zu Laichen. Daraufhin wurde ein Pärchen im 200l Becken separiert und gezielt zur Zucht angesetzt. Seitdem habe ich ca. alle 10 Tage ein Gelege, jedoch von zwei verschiedenen Pärchen. Bei guter Fütterung mit Frostfutter laichen diese Fische unaufhörlich. Die Jungfischaufzucht ist jedoch etwas schwieriger und verlangte einige Versuche. Ungefähr 6 Gelege wurden groß gezogen, wobei nur eine Quote von 50-60% die Verkaufsgröße erreichten.

    Wenn sich Langflossen Harnischwelse erstmal an das Aquarium gewöhnt haben, sind es äußerst unkomplizierte und interessante Beckeninsassen. Sie vertragen sich mit allen Fischen im Aquarium (Corydoras concolor, L 091, L 134,L 411, Manacapuru Rotrückenskalare, Ringelhandgarnelen) und lassen sich nicht einmal von neugierigen Skalaren aus der Ruhe bringen. Das Gelege wird erfolgreich gegen alle Räuber im Becken verteidigt, separiert man die Larven jedoch nicht, landen sie früher oder später im Magen der anderen Fische. Wirklich empfindlich sind diese Welse nur beim Umgewöhnen in Wasser mit anderen Wasserwerten. Oftmals versterben Sturisoma ohne Anzeichen daran. Noch extremer ist das bei Larven und Jungfischen. Da ein gutes Sturisoma Paar aber mehrmals im Monat laicht, bleiben immer einige Jungfische über, die auch die Umsetzaktionen überleben.

    Oftmals ist es etwas schwierig die genaue Art seiner Sturisoma zu bestimmen, da sich die Arten der Gattung sehr ähneln. Hinzu kommt, dass die Tiere meistens unter einem falschem Namen (meisten S. aureum) verkauft werden. Leider sind auch einige Hybriden im Umlauf, was die genaue Bestimmung von manchen Tieren unmöglich macht.

    Gehalten sollten sie am besten in 5er Gruppen in Aquarien ab 120cm Kantenlänge. Ein sandiger Boden und senkrechte Wurzeln, sowie eine mäßige Strömung im Becken kommen den Welsen sehr zugute. Bei einer Temperatur von 27,5°C und einem Leitwert von 270mS kann man sie erfolgreich halten. Stimmt das Futter, so sorgen sie für regelmäßigen Nachwuchs.


    Einrichtungsbeispiel eines artgerechten Gesellschaftsaquariums für Sturisoma festivum

    Die gefilmte Dokumentation der Nachzucht findet man hier:







    sowie ein Video im Gesellschaftsaquarium:



    Die Diskussion zur Haltung und Zucht findet man hier:
    Sturisoma festivum - Zuchterfahrungen

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